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Live Podcast am WICA: Alles auf Anfang? Welche Pfade der Landespolitik sind wichtig für 2027?

Zum Auftakt der Reihe „Road to Landtagswahl NRW 2027“ richteten Martin Florack und sein Gesprächsgast Jochen Trum den Blick auf Düsseldorf. Was hat die nordrhein-westfälische Landespolitik geprägt? Welche Merkmale tragen weiterhin? Was muss in Zukunft neu gedacht werden?

Gast

Fünf Strukturmerkmale auf dem Prüfstand

Welche Strukturmerkmale prägen die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen – und welche Erklärungskraft besitzen sie mit Blick auf die Landtagswahl 2027? Mit diesen Fragen startete der Wissenschaftscampus NRW seine Veranstaltungsreihe „NRW auf Kurs? – Wegmarken zur Landtagswahl 2027“. Gesprächspartner der Live-Podcast-Aufzeichnung war Jochen Trum, Leiter des für Landespolitik zuständigen Programmbereichs beim WDR und Vorsitzender der Landespressekonferenz NRW.

Ausgangspunkt des Gesprächs waren fünf Strukturmerkmale, die Timo Grunden, Karl-Rudolf Korte und Martin Florack vor rund 20 Jahren für die NRW-Landespolitik herausgearbeitet hatten: Ministerpräsidentendemokratie, verhandelnde Wettbewerbsdemokratie, Parteiendemokratie, Koalitionsdemokratie und Mediendemokratie. Gemeinsam wurde diskutiert, welche dieser Merkmale weiterhin Bestand haben und wo sich grundlegende Veränderungen zeigen.

Ministerpräsidentendemokratie und verhandelnde Wettbewerbsdemokratie

Deutlich wurde, dass Nordrhein-Westfalen trotz veränderter politischer Rahmenbedingungen seinen Charakter als politisches Labor nicht verloren hat. Zugleich prägt die Ministerpräsidentendemokratie das politische Geschehen weiterhin stark. Am Beispiel von Hendrik Wüst diskutierten die Gesprächspartner einen Politikstil, der auf Zurückhaltung, kontrollierte Kommunikation und die Vermeidung politischer Angriffsflächen setzt – und damit besondere Anforderungen an die Opposition stellt.

Auch die verhandelnde Wettbewerbsdemokratie bleibt ein prägendes Merkmal. Die Koalitionsbildung und die institutionelle Verschränkung von Regierung und Parlament machen politische Konsensbildung anspruchsvoll.

Parteien, Koalitionen und Medien im Wandel

Gleichzeitig stehen die Parteien unter erheblichem Anpassungsdruck: Traditionelle Wählerbindungen verändern sich, parteipolitische Profile müssen sich neu behaupten und politische Kommunikation muss veränderten Erwartungen gerecht werden. Auch die Rolle der Medien bleibt entscheidend für die öffentliche Wahrnehmung landespolitischer Themen. So bewegt sich Landespolitik in einem Spannungsfeld zwischen bundespolitischer Aufmerksamkeit und regionaler Vermittlung.

Drei Wegmarken bis 2027

Mit Blick auf die Landtagswahl kristallisierten sich drei zentrale Beobachtungsfelder heraus: der Einfluss der Bundespolitik auf die Landesebene, die Fähigkeit der SPD, eine selbstbewusste und profilierte Wahlkampagne zu entwickeln, sowie die Zukunft des politischen Liberalismus.

Das Gespräch zeigte: Die vor 20 Jahren formulierten Strukturmerkmale bieten weiterhin ein tragfähiges Analyseraster. Ihre konkrete Ausprägung hat sich jedoch verändert. Die Landtagswahl 2027 wird auch zeigen, welche dieser Veränderungen von nachhaltiger Bedeutung sind.

Wir danken Jochen Trum für das kenntnisreiche Gespräch und allen Gästen für die engagierte Diskussion.

Die Aufzeichnung des Gesprächs ist in Kürze im WICA Podcast verfügbar.